Wertstromanalyse

Autor: Sebastian ReimerVeröffentlicht am

In einem Satz

Kurz erklärt

Die Wertstromanalyse ist eine Lean-Methode, die einen Ablauf vom Auslöser bis zum Ergebnis sichtbar macht – mit Bearbeitungszeiten, Liegezeiten und allen Übergaben.

Technisch erklärt

Etwas genauer

Die Methode stammt aus der Produktion und wurde durch das Buch „Learning to See“ von Mike Rother und John Shook (1998) bekannt. Man zeichnet zuerst den Ist-Zustand: jeden Arbeitsschritt, jede Übergabe, jeden Stapel, in dem Vorgänge warten, und darunter eine Zeitlinie. Sie trennt die Zeit, in der wirklich gearbeitet wird, von der Zeit, in der ein Vorgang nur liegt.

Aus dem Ist-Zustand entsteht ein Soll-Zustand: weniger Schritte, weniger Übergaben, kürzere Wartezeiten. Im Büro fließen statt Bauteilen Anfragen, Anträge, Rechnungen und E-Mails – das Prinzip ist dasselbe.

Erklär es einem Sechsjährigen

Ganz einfach

Du malst den Weg eines Briefes auf: wer ihn wann in die Hand nimmt und wo er nur herumliegt. Dann siehst Du, dass er viel länger liegt, als jemand an ihm arbeitet.

Perspektive Prozess

Was bedeutet das für Lean?

Die Wertstromanalyse ist das wichtigste Werkzeug, um Verschwendung in einem Ablauf zu finden: Warten, Übergaben, Rückfragen, Doppelarbeit. Sie zeigt den ganzen Ablauf statt einzelner Arbeitsplätze.

Für KI ist sie der beste Startpunkt. Erst der Wertstrom zeigt, welche Schritte wegfallen können und welche übrig bleiben. Erst dann lohnt die Frage, wo KI die übrig gebliebene Arbeit besser macht. Das ist die Lean-vor-KI-Reihenfolge.

So sieht es im Alltag aus

Beispiel aus dem Büro

Ein Team zeichnet die Angebotserstellung auf: sieben Schritte, vier Abteilungen, zwei Rückfrage-Schleifen. Gearbeitet wird am Angebot insgesamt 95 Minuten, beim Kunden kommt es nach sechs Arbeitstagen an. Den größten Hebel hat nicht die KI fürs Formulieren, sondern eine Freigabe weniger und eine Checkliste, die die Rückfragen verhindert.

Praxis

Wo begegnet mir das bei der Arbeit?

  • in einem Workshop zur Prozessaufnahme, mit Haftnotizen an der Wand
  • vor der Einführung einer neuen Software oder eines KI-Werkzeugs
  • wenn Kundinnen und Kunden über lange Bearbeitungszeiten klagen
  • wenn mehrere Abteilungen sich gegenseitig die Schuld an Verzögerungen geben

Mit einem Augenzwinkern

Typischer Irrtum oder Fun Fact

Irrtum: Für eine Wertstromanalyse braucht man eine Software. Ein Whiteboard, Haftnotizen und zwei Stunden mit allen Beteiligten reichen für den ersten Ist-Zustand – und genau dieses gemeinsame Zeichnen macht die Methode so wirksam.

Weiterdenken

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Mike Rother, John Shook: Learning to See. Value Stream Mapping to Create Value and Eliminate Muda (Lean Enterprise Institute) (öffnet neues Fenster) (1998)

Du musst nicht jeden KI-Begriff auswendig kennen. Entscheidend ist, ob Du erkennst, wo er für Prozesse, Lean und Menschen wirklich relevant wird.